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Sträucher, Hecken und Bäume bestimmen mit am meisten den Charakter eines Gartens und der näheren Wohnumwelt. Im Optimalfall wirken sie als Wind- und Sichtschutz, spenden Schatten und lockern das Gesamtbild auf, sie gliedern den Garten und beleben ihn mit Blüten- und Blattfarben, sie schützen vor Lärm, Abgasen und Staub, tragen mit ihrer Blattmasse zur Sauerstoffproduktion bei, schaffen eine Atmosphäre der Geborgenheit, bieten vielen Tierarten einen Lebensraum und versorgen uns letztendlich auch mit Früchten. Gehölze sind somit ein belebendes und ökologisch wichtiges Element unserer Gärten.

Ein Blick in die Siedlungsbereiche unserer Städte zeigt uns jedoch eine Fehlentwicklung im Bereich der Gehölzpflanzungen in den letzten Jahrzehnten. Arten wie Mahonie, Kirschlorbeer und Rhododendron herrschen vor, als Bäume finden vor allem fremdländische Koniferen Verwendung. Mit diesen Arten sterilisieren wir die Gärten ein Stück weiter.
Wußten Sie, daß z. B. von der heimischen Stieleiche über 200 Insekten- und 28 Vogelarten leben, dagegen von der eingebürgerten Roßkastanie bedeutend weniger - nämlich nur noch 4 Insekten- und 2 Vogelarten? Und der bei uns nicht heimische, aber oft gepflanzte Essigbaum bietet keiner einzigen Tierart eine Lebensgrundlage.
Dieses Beispiel soll uns eindringlich den Wert unserer heimischen Gehölze für die Tierwelt darlegen.
Wissenswertes über Bäume
| Ein großer Baum verdunstet an einem Tag bis zu 500 l Wasser und beeinflußt so das Kleinklima günstig. | |
| Das Laubdach von Bäumen wirkt wie ein Filter: Luft unter Bäumen enthält bis zu 70% weniger Staubteilchen als die Luft einer baumlosen Straße. | |
| Eine 25 m hohe Buche hat eine Gesamtblattfläche von ca. 1600 m2 und setzt täglich etwa 7.000 l Sauerstoff frei - das entspricht dem Tagesbedarf von 50 Menschen. | |
| Ein Hektar Buchenwald kann jährlich über 50t Staub binden. |
Es gibt aber auch noch genug andere Gründe, die für das Pflanzen heimischer Sträucher und Bäume sprechen. Diese sind nämlich ...
| unempfindlich Von Natur aus wachsen Wildsträucher in unseren Breiten. Sie überstehen Wetter, Wind und Kälte mit Sicherheit besser als viele Ziersträucher, die von fremden Standorten, aus ganz anderen Klimabereichen oder aus der Zucht kommen. | |
| billig Der einheimische Wollige Schneeball kostet in der Baumschule in 100 cm Größe unter 10.- DM. Die Schneeballzuchtformen sind etwa fünfmal so teuer. | |
| seltener Heute steht in fast jedem Garten ein Rhododendron. Das ist nichts besonderes mehr. Wie wäre es zu Abwechslung mal mit dem einheimischen Pfaffenhütchen? Dieses bringt außer schönen Blüten von August bis Oktober auch sehr hübsche orange-rote Früchte hervor. | |
| gesund Mehr Wildsträucher im Garten sind auch gesünder. Weil sie anspruchsloser und widerstandsfähiger sind, können wir auf Kunstdünger und giftige Spritzmittel verzichten - Boden, Wasser und Luft bleiben sauberer. | |
| lehrreich Wildsträucher im Garten können vor allem lehrreich sein. Als Erlebnisbereich für unsere Kinder und uns selbst können sie uns ganz bewußt zur Naturliebe erziehen. Es ist die Möglichkeit, ein Stück unserer Natur mit dem eigenen Auge kennenzulernen. |
Wolliger Schneeball
Weißdorn

Schlehe
Für viele Gartenbesitzer ist bei der Wahl des Pflanzmaterials die Farbenpracht der Blüten ausschlaggebend, da ein Strauch oder der Baum natürlich auch ansprechend aussehen soll. Dochläßt man sich dabei allzuoft von den auf Hochglanz und Werbung ausgerichteten Katalogen lenken.
Die Blütenpracht währt bei den meisten Exoten nur kurz. Nach der Blütezeit sieht eine solche Pflanze dann immer gleich grün (langweilig?) aus. Im Gegensatz dazu die einheimischen Gehölze. Von ihnen werden wir das ganze Jahr hindurch mit immer neuen Eindrücken überrascht: Im Winter leuchten unter weißen Schneehäubchen die roten Früchte von Heckenrose oder Hagebutte. Im zeitigen Frühjahr ist der Zweig der Kornelkirsche mit tausend feiner strahlend gelber Blütensterne übersät und der Haselstrauch verstreut gelbe Pollenmassen.
Ende April bis weit in den Mai hinein sprießt es dann weiß an den sich langsam begrünenden Dornenzweigen der Schlehe. Der Wollige Schneeball öffnet seine Dolden und zwischen dem Blattgrün der Heckenkirsche erscheinen blaßgelbe Blüten. Gleichzeitig blüht der Weißdorn und lockt mit intensivem Duft tausende Insekten in sein Blütenmeer. Der Juni bliebe für das Zartrosa oder Weiß der Heckenrose reserviert, wären da nicht die weißen Dolden von Holunder, Hartriegel oder Gemeinem Schneeball. Im Juli folgen Waldrebe oder Brombeere und schon jetzt tauchen die ersten Früchte auf. Das grelle Rot des Traubenholunders etwa bildet einen schönen Kontrast zur grünen Umgebung. - Im Hochsommer reifen Heckenkirsche, Holunder und Wolliger Schneeball, bringen Rot und Schwarz ins Grüne. Oder Orange und Gelb wie die Früchte des Pfaffenhütchens. Blau zwischen grünen Zweigen färben sich nun die Früchte der Schlehe. Zu einer Zeit, in der der Hartriegel bereits beginnt, mit intensiv blutrot sich verfärbenden Blättern und Zweigen den nahenden Herbst anzuzeigen. Überhaupt bricht im September die bunte Zeit der heimischen Sträucher an. Je nach Strauchart offeriert die Natur im Herbstlaub von Gelb über Braun bis Rot die ganzen warmen Farbtöne. Dazu schimmern, glänzen oder leuchten in allen möglichen Schattierungen blaue, schwarze, gelbe, rote oder orangene Früchte von heimischen Sträuchern bis weit in den Winter hinein - Schönheiten unserer Natur. Geben wir ihnen eine Chance.
Wildsträucher |
Vogelarten |
Säugetiere |
| Vogelbeere (Sorbus aucuparia) | 63 | 31 |
| Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) | 62 | 8 |
| Traubenholunder (Sambucus racemosa) | 48 | 5 |
| Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) | 43 | 18 |
| Waldhimbeere (Rubus idaeus) | 39 | 20 |
| Faulbaum (Rhamnus frangula) | 36 | 11 |
| Wilde Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) | 34 | 2 |
| Eingritfeliger Weißdom (Crataegus monogyna) | 32 | 5 |
| Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus oxyacantha) | 32 | 17 |
| Wildbrombeere (Rubus spec.) | 32 | 14 |
| Wildbirne (Pyrus pyraster) | 24 | 29 |
| Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) | 24 | 8 |
| Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) | 24 | 14 |
| Gemeine Traubenkirsche (Prunus padus) | 24 | 16 |
| Gemeine Eibe (Taxus baccata) | 24 | 8 |
| Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus) | 22 | 11 |
| Gemeiner Liguster (Ligustrum vulgäre) | 21 | 10 |
| Schlehe (Prunus spinosa) | 20 | 18 |
| Wildapfel (Malus silvestris) | 19 | 35 |
| Qomeine Berberitze (Berberis vulgaris) | 19 | 7 |
| Kreuzdorn (Rhamnus catharticus) | 19 | 8 |
| Sanddorn (Hippophae rhamnoides) | 16 | 4 |
| Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) | 15 | 6 |
| Wilde Stachelbeere (Ribes uva-crispa) | 14 | 5 |
| Haselnuß (Corylus avellana) | 10 | 33 |
| Rote Hackenkirsche (Lonicera xylosteum) | 8 | 12 |
| Wilde Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) | 3 | 3 |
| Weiden (Salix spec.) | 3 | 16 |
In der Tabelle finden Sie fruchttragende Sträucher unserer Heimat und die Zahl der an den Sträucher fressenden Vögel und Säugetiere. Alle Arten können auch im Garten als Einzelsträucher oder in Heckenform gepflanzt werden. Mischhecken aus mindestens zehn Arten sind zu empfehlen.
mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: "Natur im Industriegebiet", Naturschutzbund Deutschland, Gruppe Karlsruhe e.V., Langenbruchweg 9, 76137 Karlsruhe